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Diakonisches Werk Dithmarschen
Ev.-Luth. Kirchenkreis Dithmarschen

[MIGRATIONSSOZIALBERATUNG :: Migrationssozialberatung]

Jahresbericht 2015

Jahresbericht 2015  

 

 

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.

Römer 15,7

 

 

Personeller und organisatorischer Rahmen


Die Migrationssozialberatungsstelle des Diakonischen Werkes Dithmarschen beschäftigte im Jahr 2014 zwei hauptamtliche Mitarbeiter mit jeweils einer vollen Stelle, die Diplom-Sozialpädagogin Anja Döhren als zuständige Mitarbeiterin für die Migrationssozialberatung und den Diplom-Sozialpädagogen Viktor Schmidt als zuständigen Mitarbeiter für den Jugendmigrationsdienst. Natalia Jutschkow und Yuliya Ivanchenko waren mit Vollzeitstellen für die Betreuung von Erwachsenen Asylsuchenden und Familien ohne minderjährige Kinder zuständig. Diese Aufgabe wurde dem Diakonischen Werk Dithmarschen im März 2014 vom Kreis Dithmarschen übertragen.

 

Unterstützt wurde die Arbeit auch durch Malgorzata Dabrowska, die seit dem 01.04.2014 im Rahmen einer AGH-Maßnahme als Hilfskraft bei uns beschäftigt wurde. Sie wurde im Juli 2015 von Anna Maszka abgelöst. Bis zum März 2015 arbeitete Sajad Sediqi mit einer gemeinnützigen Tätigkeit als Asylbewerber in der Funktion einer sozialpädagogischen Hilfskraft und Sprachmittler. Im August 2015 wurde seine Stelle von Donya Koochakhanzadeh übernommen. Nabeel Fakhouri kam im Januar 2015 zunächst als Praktikant in die Beratungsstelle und wurde dann im Juli 2015 als Hilfskraft auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung eingestellt.

 

Unsere langjährige ehrenamtlichen Mitarbeiterin Antje Müller engagierte sich weiterhin in der Betreuung von Flüchtlingsfamilien. Der Diakoniebeauftragte Robert Huber unterstützte ebenfalls bei der Begleitung von Migrantenfamilien vor Ort in vielen verschiedenen Bereichen.

Axinia Gaul engagierte sich als ehrenamtliche Mitarbeiterin und Leiterin des Großen Runden Tisches für Integration in Heide und Unterstützerin des Projektes Sprachpartnerschaften in Dithmarschen für den Bereich der Schulen , die schon seit vielen Jahren auch gemeinsam mit Ihrem Ehemann Volker Gaul einen ehrenamtlichen Sprachkurs in Heide leitet.

Hans-Joachim Flicek koordinierte wie gehabt ehrenamtlich die Sprachpartnerinnen und Sprachpartner in unserem Projekt im Kreis Dithmarschen. Unterstützt wurde er dabei von Frau Gabi Chantelau und Yuliya Ivanchenko.    

 

Die Beratungsgespräche fanden hauptsächlich in unseren Büros im Johann-Hinrich-Wichern-Haus statt. In Ausnahmefällen wurden aus gegebenem Anlass auch Hausbesuche gemacht, wie z.B. bei Erkrankung eines Betroffenen zur Klärung einer Krisensituation, wenn dieser nicht in die Beratungsstelle kommen konnte. Weiterhin wurden Sprechstunden zweimal wöchentlich in Heide und einmal wöchentlich in Brunsbüttel durchgeführt.

 

Regelmäßig fanden vierzehntägig unsere Teamsitzungen statt, in denen alle Neuerungen, Planungen aber auch spezielle Einzelfälle in der Beratungsarbeit besprochen wurden.

Einmal im Monat nahm unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Antje Müller ebenfalls an den Sitzungen teil.

 

 

Statistik und Zahlen

 

Im Berichtszeitraum 2015 wurden 653 Erwachsene ( Einzelpersonen und  Familien ) ab 27 Jahren in 2908 Beratungsgesprächen und 530 Jugendliche (Einzelpersonen und Familien) im Alter von 14 bis 27 Jahren in 1685 Beratungsgesprächen beraten. (Es wurden 333 Asylsuchende (Einzelpersonen) betreut. Insgesamt wurden 4593 Beratungsgespräche durchgeführt.

 

Beraten wurde mit Hilfe des Case Managements sowohl in den Beratungen zur Integrationsförderung, als auch in multiplen Krisensituationen und einmaligen Krisensituationen. Die diesbezügliche Landesstatistik ZIM sowie die JMD-Statistik und die interne Beratungsstatistik wurden weiterhin geführt. Die hier genannten Zahlen beruhen auf dem Ergebnis unserer internen Beratungsstatistik.

 

 

Schwerpunkte und Projekte

 

Das Jahr 2015 war geprägt von dem enormen Anstieg der Zuwanderer aus den Krisengebieten wie z.B. Syrien und Afghanistan. Dies stellte für unsere Arbeit und alle Mitarbeitenden eine große Herausforderung dar. So löste die Integrationspauschale die Betreuungspauschale ab mit der Folge, dass ab dem 01.07.2015 die Integrationspauschale direkt an die Kommunen floss. Bis dahin hatten wir mit dem Kreis Dithmarschen einen Vertrag über die Betreuung der Flüchtlinge im Kreis und wurden durch ihn finanziert. Der Herbst wurde genutzt, um mit den Ämtern und Städten  über die Fortführung und Erweiterung der Betreuung zu verhandeln. Die Verhandlungen wurden mit allen 6 Ämtern und den 2 kreisfreien Städte zum Jahresende erfolgreich abgeschlossen. Zwischenzeitlich mussten jedoch alle Mitarbeitenden viel Zeit und Kraft aufwenden, um der enormen Nachfragen gerecht zu werden. Letztlich wurde auch dies erfolgreich bewältigt.

Sehr erfreulich war in diesem Zusammenhang die Bereitschaft, vieler Menschen der hiesigen Bevölkerung, sich ehrenamtlich zu engagieren. Diese suchten ebenfalls Rat und Hilfe bei unseren Fachkräften. Unterstützung für die Ehrenamtlichen erhielten wir durch die Einstellung der Flüchtlingspastorin Sandra Ruge-Tolksdorf im Juli 2015, die vom Kirchenkreis unter anderem auch für die Betreuung der Ehrenamtlichen beauftragt wurde. Sie arbeitet in diesem Bereich eng vernetzt mit der Koordinierungsstelle des Kreises Dithmarschen zusammen.

 

Der Schwerpunkt unserer Beratungsarbeit liegt darin, die zugewanderten Menschen möglichst frühzeitig in unsere Gesellschaft zu integrieren und ihnen damit eine soziale und kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Die Sprache und Verständigung ist für das Gelingen ein entscheidender Faktor. Im Jahr 2015 kamen neuzugewanderte  Menschen aus über 40 Nationen zu uns in die Beratungsstelle. Die meisten ohne oder nur mit geringen Deutschsprachkenntnissen. Mit Hilfe unseres internen Sprachmittlerpools konnten wir in den Beratungsgesprächen durch den Einsatz der Sprachmittler eine gute Verständigung gewährleisten.

Unser Sprachmittlerpool konnte in 2015 auf insgesamt 60 ehrenamtliche Sprachmittler erweitert werden. Im Februar fand eine Schulung der Sprachmittler statt, in der sich die verschiedenen Beratungsstellen des Diakonischen Werkes vorstellten. Die Schulungen sollen im Jahr 2016 fortgesetzt werden.

 

Die im Jahr 2010 begonnenen Projekte zur Sprachförderung für Migrantinnen und Migranten mit ungesichertem Aufenthalt wurden weitergeführt und erweitert. Trotz der erweiterten staatlichen Sprachförderprogramme für Flüchtlinge wie z.B. „Staff“- oder die Kurse der Bundesagentur wurden die ehrenamtlichen Sprachkursangebote zusätzlich sehr gut angenommen.

Bis  zum Jahresende gab es insgesamt 20 ehrenamtliche Sprachkursangebote an verschiedenen Orten in ganz Dithmarschen.

 

 

Das Diakonie-Projekt Sprachpartnerschaften konnte  im Laufe des Jahres ebenfalls erweitert werden. Zum Jahresende wurden insgesamt 100 Sprachpartnerschaften vermittelt und begleitet und ca. 100 neue Interessenten für Sprachpartnerschaften, zum großen Teil auch aus der hiesigen Bevölkerung, konnten gewonnen werde. Die wöchentliche Sprechstunde für Sprachpartner in unseren Räumen in Meldorf wurde gut besucht. Diese wurde von unseren ehrenamtlichen Koordinator/innen geleitet. Aufgrund der großen Nachfrage wurde das Projekt in drei Einzugsgebiete mit den jeweiligen Zuständigkeiten der Koordinatoren/innen aufgeteilt:

Hans-Joachim Flicek für den Norden, Gabi Chantelau für die Mitte und Yuliya Ivanchenko für den Süden Dithmarschens. Es fanden Sprachcafés zu verschiedenen Themen im Februar in Marne, im April in Brunsbüttel, im November in Meldorf und eine Fahrt in den Steinzeitpark Albersdorf im September statt. Zusätzlich wurden verschiedene regionale Treffen von den Sprachpartnern selbst in Meldorf und Brunsbüttel organisiert.

 


Fortbildungen und Fachtagungen


Im Berichtszeitraum 2015 nahmen wir an verschiedenen Fortbildungen und Fachtagungen zum Ausländerrecht, zum Sozialrecht, zum Asylbewerberleistungsgesetz, Asylverfahrensgesetz und zur Integrationsförderung teil. Der interne Runde Tisch Interkulturellen Öffnung innerhalb des Diakonischen Werkes traf sich weiterhin regelmäßig.

Es wurde zu verschiedenen aktuellen Themen gearbeitet und das Konzept zur Interkulturellen Öffnung fertiggestellt.

 


Informationsveranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit und Gruppen

 

In Zusammenarbeit mit der Pflegefachschule des Westküstenklinikums in Heide in diesem Jahr auch wieder eine Informationsveranstaltungen für die Schüler über die Arbeit der Migrationssozialberatungsstelle und zum Thema „Interkulturelles Leben und Integration“ im Diakonischen Werk Dithmarschen in Meldorf statt. Außerdem gab es eine Informationsveranstaltungen zu diesem Thema im Gymnasium in Büsum.

 

Vom 04.09.2015. bis zum 21.10.2015 wurden im Kreis Dithmarschen die Interkulturelle Woche mit 15 verschiedenen Veranstaltungen in Meldorf, Heide, Albersdorf, Neufeld, Barlt und Hemme durchgeführt, an deren Planung und Durchführung sich viele Institutionen sowie ehrenamtliche Helferinnen und Helfer beteiligten. Den Höhepunkt dieser Wochen bildeten zwei Interkulturelle Feste. Zum einen den Tag der Kulturen in der Dithmarschenhalle in Meldorf, der in das Programm der 750 Jahresfeierlichkeiten eigebunden war zum anderen das Interkulturelle Fest in Heide, das wie in den vergangenen Jahren im Kreishaus stattfand.  

 

Der russische Kinderclub „Znaijka“ in der St. Georg Schule wurde weiterhin unterstützt und traf sich zweimal wöchentlich.

 

Der Treffpunkt für Migrantinnen und Migranten als gemeinsames niedrigschwelliges Angebot der Begegnung und Beratung in Zusammenarbeit mit der Brücke Dithmarschen wurde im Jahr 2015 erfolgreich weitergeführt. Einmal monatlich fanden Treffen in Heide mit verschiedenen Aktionen statt. Im Durchschnitt wurde der Treffpunkt monatlich von jeweils ca. 40 Personen aus verschiedenen Kulturkreisen besucht. Dabei zeigte sich eine Zunahme der Besucher aus der hiesigen Bevölkerung.

 

Die in 2011 gegründete Interkulturelle Frauen-Musikgruppe traf sich weiterhin einmal wöchentlich im Johann-Hinrich-Wichern-Haus in Meldorf zum Proben.

 


Kooperation und Vernetzung

 

Die Dienste und Einrichtungen in Dithmarschen wurden auf die Notwendigkeit interkultureller Öffnung aufmerksam gemacht. Über unsere Jahresberichte und unsere Teilnahme an kommunalpräventiven Räten und Sitzungen des Lokalen Bündnisses für Familie wurden die Gemeinden auf die Lebenssituation jugendlicher und erwachsener Migranten/innen aufmerksam gemacht. Die MSB und der JMD setzten sich mit ihrer Lobbyarbeit bei politischen Entscheidungen zur Verbesserung der Lebenssituation der Migranten/innen ein.

 

Die im Jahr 2005 erstmals abgeschlossene und 2012 überarbeitete Kooperationsvereinbarung mit dem Jobcenter Dithmarschen trug weiter zur guten Zusammenarbeit bei.

Dies bestätigte sich ebenfalls für die in 2012 geschlossene Kooperationsvereinbarung mit der Ausländerbehörde. Für beide Vereinbarungen wurden die eingeführten Pendelbriefe, in denen Daten und Informationen mit Einwilligung der Klienten zwischen den Beteiligten weitergeleitet werden können, konstruktiv eingesetzt.


Der seit 2005 bestehende Arbeitskreis für Integrationskurse in Dithmarschen, dessen Leitung durch uns wahrgenommen wurde, fand weiter durch zwei Treffen statt. Aufgrund der großen Arbeitsauslastung unserer Mitarbeitenden, wurde die Leitung an die Sprachkursträger abgegeben.

 

Die regelmäßige Teilnahme am Arbeitskreis Sozialberatung, einem Treffen von Sozialberatern verschiedener Einrichtungen und Institutionen aus dem Kreis Dithmarschen, hat sich weiterhin als Möglichkeit des fachlichen Austausches und der Vernetzung auf kommunaler Ebene bewährt.

 

Das vom Landesverband des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein durchgeführte Treffen (4x jährlich) des Arbeitskreises Migration wurde als sinnvolle, arbeitsbereichernde Möglichkeit des übergeordneten Informationsaustausches genutzt.

 

Die gute Zusammenarbeit mit der Schuldnerberatung Lichtblick e.V. sowie mit der Sozialberatungsstelle, der Suchtberatungsstelle und der Familienberatungsstelle des Diakonischen Werkes Dithmarschen hat sich weiterhin fortgesetzt und hat sich durch den internen Runden Tisch zur Interkulturellen Öffnung noch intensiviert.

 

Seit September 2009 beteiligt sich die Migrationssozialberatung am Bündnis für Familie, einer Arbeitsgruppe zur Familienfreundlichen Stadtentwicklung in Heide, in Form der Mitarbeit in einer Unterarbeitsgruppe für Migrantinnen und Migranten. Diese Zusammenarbeit wurde in diesem Jahr unter anderem mit der Organisation und Durchführung von verschiedenen gemeinsamen Aktionen, wie z.B. dass Interkulturelle Fest 2015  in Heide, erfolgreich fortgesetzt.

 


Die im Rahmen der Umsetzung des Integrationskonzeptes im Kreis Dithmarschen entstandenen drei Runden Tische für Integration in Heide, Meldorf und Brunsbüttel wurden weiterhin fachlich unterstützt. Die Leitung der AG Sprachförderung wurde weiterhin übernommen. In diesem Zusammenhang konnten weitere Ehrenamtliche gewonnen werden, die sich aktiv in den Arbeitsgruppen aber auch darüber hinaus an der Unterstützung von Migrantinnen und Migranten beteiligten. Im November wurde in diesem Rahmen eine Schulung der ehrenamtlichen Sprachlehrerinnen und Sprachlehrer durchgeführt.

 

Der Kontakt und die Vernetzung mit den Kirchengemeinden wurden intensiviert. So konnten weitere ehrenamtliche Sprachkurse in kirchlichen Gemeindehäusern initiiert. Willkommenstreffen wurden gemeinsam organisiert und durchgeführt.

 

   

Danksagung


Zum Abschluss möchten wir noch bemerken, dass die im Bericht beschrieben Aufgaben in ihrer Vielzahl und in ihrem großen Umfang nur mit dem zusätzlichen Einsatz der Teilzeitkräfte und von Ehrenamtlichen bewältigt werden konnten.

Wir sind allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für ihre Unterstützung sehr dankbar und freuen uns, dass wir auch  in 2015 viele weiter dazugewinnen konnten.

 

 

Anja Döhren

Dipl.-Soz. Päd.

Meldorf, März 2016

 


 



[ ep, 03.06.2014 12:31 ]
[ gw, 29.11.2016 08:44 ]
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