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Diakonisches Werk Dithmarschen
Ev.-Luth. Kirchenkreis Dithmarschen

[MIGRATIONSSOZIALBERATUNG :: Jugendmigrationsdienst]

Jahresbericht 2006

I. Ausgangssituation

1. Räume Ausstattung

Im Kreis Dithmarschen ist der Jugendmigrationsdienst ein integraler Bestandteil der Migrationssozialberatungsstelle des Diakonischen Werkes Dithmarschen.
Die räumliche Situation hat sich verbessert durch den Umzug des Diakonischen Werkes Dithmarschen an den Nordermarkt in Meldorf. Es stehen uns jetzt angemessene Bürokapazitäten und Gruppenräume zur Verfügung. Die Migrationssozialberatungsstelle ist mit 3 Computern und Internetanschluss ausgestattet. Dank der zusätzlichen Investitionsmittel der BAG EJSA konnten wir ein Notebook, einen Beamer und eine Digitalkamera anschaffen, die sehr hilfsreich in der Arbeit mit Jugendlichen sind.

2. Klientel

Seit 01.06.2002 greift im Kreis Dithmarschen das Konzept des Landes Schleswig-Holstein zur Integration aller Zuwanderer. Somit sind die Migrationssozialberatungsstelle und der Jugendmigrationsdienst (JMD) zu einer Anlaufstelle für alle Migranten geworden. Nur die Asylsuchenden werden weiterhin von einem Mitarbeiter des Kreises Dithmarschen betreut.
Über die Zuweisung der Spätaussiedler und ihrer Familienangehörigen werden wir rechtzeitig von dem Vertriebenenamt des Kreises informiert, so dass wir nach der Ankunft der Familien sofort Kontakt zu ihnen aufnehmen, hauptsächlich durch Hausbesuche. Um die genaue Adresse zu erhalten, nehmen wir auch Kontakt zu jeder Gemeinde auf. Die Arbeit unserer Beratungsstelle wird von den Kommunen und Gemeinden sehr geschätzt, was sich auch durch finanzielle Unterstützung ausdrückt. Auf diesem beschriebenen Weg wurde Kontakt zu allen Jugendlichen aufgenommen, die im Jahr 2006 nach Dithmarschen neu zugewiesen wurden.

Ausländer kommen über Mundpropaganda und Flyer, die bei der Ausländerbehörde, der ARGE und den Integrationskursträgern ausliegen, zu uns. Sehr hilfreich ist hier ein „Wegweiser für Migranten im Kreis Dithmarschen“, der von uns mitentwickelt wurde, um eine verbesserte Vernetzung der beteiligten Institutionen zu erreichen.

Im Jahre 2006 wurden dem Kreis 29 Spätaussiedler zugewiesen.
Darunter sind 7 Jugendliche im Alter von 12 bis 27 Jahre.
Dazu kamen noch 4 jugendliche Ausländer.
3 Jugendliche kamen mit deutscher Staatsangehörigkeit nach Deutschland. Diese Gruppe fällt durch die Fördernetze. Sie haben keinen Anspruch auf Integrationskurse nach dem Zuwanderungsgesetz.
Daher wurde im Rahmen der Kooperationsvereinbarung mit der ARGE vereinbart, dass diese Migrantengruppe den Integrationskurs von der ARGE gefördert bekommt.

3. Personalsituation der Migrationssozialberatungsstelle

  • ½ Stelle für erwachsene Aussiedler: Sabine Kühl
  • ½ Stelle für Ausländer: Anja Döhren
  • 1 Stelle für Jugendliche Migranten (JMD: Viktor Schmidt)
  • 1 päd. Hilfskraft für Übersetzungen, Begleitungen:
    Ludmila Lehmann / Klara Scheck (jweils 6 Monate)
  • 2 Honorarkräfte für Schularbeitenhilfe
  • 11 Ehrenamtliche

II. Angaben zu Zahl und Struktur der Betreuten  (s. Sozialanalyse)


III. Schwerpunkte der JMD Arbeit

1. Allgemeine Entwicklung

Auch in unserem Kreis zeigt die Verteilung der Migrantenkinder auf die unterschiedlichen Schulformen ihre deutlich schlechteren Teilhabechancen im Vergleich zu hiesigen Jugendlichen. Daher halten wir die individuelle Begleitung der noch Schulpflichtigen (12-16 Jahre) und ihrer Eltern [Stärkung der Erziehungskompetenz] für auch sehr wichtig.

Im Bereich der beruflichen Bildung und Qualifizierung zeigt sich keine Verbesserung der Situation und der Chancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Auch das Sofortprogramm für jugendliche Migranten der Bundesagentur für Arbeit konnte die Situation der jugendlichen Migranten nicht verbessern.

Das Hauptproblem sind die nicht ausreichende Sprachkenntnisse. Nach dem Zuwanderungsgesetz haben alle Migranten mit dauerhaftem Aufenthaltsstatus Anspruch auf einen Integrationskurs (Ausnahme wiederum sind Migranten mit deutscher Staatsangehörigkeit). Aber nach unserer Einschätzung sind 630 Stunden für die jugendlichen Migranten viel zu wenig. Vorher hatten die meisten 12 bis 18 Monate Sprachunterricht über SGB III und den Garantiefonds erhalten. Dieses ist bei einigen noch nicht einmal ausreichend gewesen, um eine Ausbildung oder Arbeit aufzunehmen.

2. Darstellung der verschiedenen Schwerpunkte

2.1 Einzelfallbegleitung durch das Verfahren des Case Managements

Im Jahre 2006 wurden 32 Jugendliche (19 Mädchen und 13 Jungen) im Rahmen des Case Managements intensiv betreut.
Die individuelle Begleitung und die Gruppenarbeit in diesem Zusammenhang haben sich für die Jugendlichen sehr bewährt und führte bei ihnen zur Verbesserung der Integrationschancen (in sprachlicher, schulischer, beruflicher und sozialer Hinsicht). Im Rahmen der Gruppenarbeit wurden im Laufe des Jahres Veranstaltungen zu folgenden Themen organisiert:

  • Versicherungen in Deutschland
  • Berufsberatung und Arbeitsvermittlung über die Agentur für Arbeit
  • Weiterbildung und Fortbildung
  • Arbeitslosengeld II
  • Zuwanderungsgesetz.

2.2 Vermittlung in Angebote für zugewanderte junge Menschen im örtlichen Netzwerk

Da wir sofort nach der Einreise der Jugendlichen dies mitgeteilt bekommen, werden die Jugendlichen auch gleich von uns begleitet und betreut. Alle neu zugewanderten Jugendlichen und auch Bestandsausländer erhielten Informationen über die Integrationskurse und Einstufungstests. Wir haben uns in allen beginnenden Integrationskursen vorgestellt.

Kooperationsvereinbarungen mit den Sprachkursträgern wurden abgeschlossen, so dass wir die sozialpädagogische Betreuung auch während des Besuchs der Kurse gewährleisten. Spezielle Integrationskurse für Jugendliche wurden im Jahre 2006 im Kreis Dithmarschen nicht durchgeführt. Insgesamt fanden 5 Integrationskurse statt. An diesen haben 67 jugendliche Migranten teilgenommen. An den Standorten der Sprachkurse befindet sich entweder die Beratungsstelle (Meldorf) oder es werden im gleichen Ort (Heide, Brunsbüttel) wöchentliche Sprechstunden angeboten. Bei Bedarf führen wir auch Hausbesuche durch.

IV. Stadtteilorientierung und Interkulturelle Öffnung

Die Beratungsstelle des JMD, wie auch die Migrationssozialberatungsstelle sind in Meldorf angesiedelt. Die Stadt liegt im Zentrum des Kreises und ist von allen Orten auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen.

In Heide und Brunsbüttel, wo besonders viele Migranten leben, wird jeweils einmal in der Woche eine Sprechstunde durchgeführt.

In Brunsbüttel-Süd, wo besonders viele Migranten und sozial schwache Familien leben, besteht der vom JMD initiierte Mädchen- und Jungentreff weiterhin. Die Beratungsstelle ist bemüht, den Prozess der interkulturellen Öffnung der Angebote aller relevanten Dienste und Einrichtungen der sozialen Handlungsfelder weiter zu entwickeln.

Es besteht gute Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, einigen Polizeidienststellen, Familien- und Suchtberatungsstellen, Gesundheitsamt, Beratungsstellen für schwangere Frauen usw.

V. Kooperationspartner / Netzwerkarbeit

Es wird eng mit den Mitarbeitern der Migrationssozialberatungsstelle des Diakonischen Werkes Dithmarschen zusammengearbeitet. So wird auch Urlaubs- und Krankheitsvertretung gewährleistet.

Es werden gemeinsame Teamsitzungen durchgeführt.

Die Öffnungszeiten sind verlässlich:
montags bis freitags von 8.00 bis 12.30 Uhr
und mittwochs von 13.30 bis 16.00 Uhr.
Es wird mit den anderen Beratungsstellen des Diakonischen Werkes Dithmarschen eng zusammengearbeitet (z. B. Suchtberatung, Familienberatungsstelle u.a.).

Der kommunalpräventive Rat der Stadt Brunsbüttel ist ein Netzwerk der Integration für die Stadt. Hier arbeiten wir aktiv mit.

Im Rahmen der Migrationssozialberatung arbeiten wir eng mit den Sprachkursträgern vor Ort zusammen.

Es wurde mit der Arbeitsgemeinschaft Dithmarschen eine schriftliche Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. In der Vereinbarung verpflichtet sich die ARGE mit ihrem Migrationskoordinator die Mitarbeiter für den Umgang mit Migranten zu sensibilisieren und zu qualifizieren, sowie Integrationsmaßnahmen wie Sprachkurse und Praktika zu fördern.

Um die Zusammenarbeit besser zu koordinieren, wurde ein Arbeitskreis gegründet, der ein Verfahren zur Verbesserung der Eingliederungschancen von Migranten geplant hat.

In diesem Verfahren ist z. B. vorgesehen, dass Migranten, die mit einem deutschen Staatsangehörigkeitausweis nach Deutschland einreisen und keinen Anspruch auf einen Integrationskurs haben, diesen von der ARGE finanziert bekommen.

Die Zusammenarbeit mit der ARGE und den Leistungszentren ist im Einzelfall durchaus erfolgreich.

Eine gute Zusammenarbeit gibt es auch mit dem Projekt der Volkshochschule „OWI-Westküste“. Es werden gemeinsame Veranstaltungen organisiert und durchgeführt.

Die weiter stattfindende Sprechstunde in Brunsbüttel wird in den Räumlichkeiten der VHS angeboten.

VI. Öffentlichkeitsarbeit

Es wurden Dienste und Einrichtungen auf die Notwendigkeit interkultureller Öffnung aufmerksam gemacht. Über unseren Jahresbericht und unsere Teilnahme an kommunalpräventiven Räten wurden die Gemeinden auf die Lebenssituation junger MigrantInnen aufmerksam gemacht. Der JMD hat sich mit seiner Lobbyarbeit bei politischen Entscheidungen zur Verbesserung der Lebenssituation der Migranten eingesetzt.

VII. Stellungnahme zum Gender Mainstream in unserer Arbeit

Die Sozialanalyse zeigt, dass das Angebot des JMD von beiden Geschlechtern gleichermaßen angenommen wird: 89 weibliche und 83 männliche Betreute. Auch die Zahl der neu Zugewanderten ist fast gleich – 8 weibliche und 6 männliche Jugendliche.

Die Gruppenangebote wurden ebenfalls gleichermaßen angenommen – von 140 weiblichen und 146 männlichen Jugendlichen.

Wir bemühen uns, in allen Aktivitäten, d.h. für uns besonders Einzel- und Familienberatungen, um eine Berücksichtigung der Geschlechteridentitäten.

VIII. Zusammenfassung und Ausblick

Wie aus der 4. JMD-Statistik hervorgeht, arbeiten wir mit neu zugewanderten Jugendlichen, aber die Zahl der Jugendlichen, die schon länger als 3 Jahre in Deutschland wohnen und sich an das JMD gewandt haben, ist erheblich. Es handelt sich um insgesamt 58%. Dies widerlegt die Aussage, dass die Jugendlichen nach 3 Jahren integriert sind und keine Unterstützung mehr brauchen.

Für die Gruppenangebote gibt es keine zusätzlichen Mittel und das ist sehr schade, da die Gruppenangebote das Case Management unterstützen und die individuelle Zielerreichung fördern. Die vielen Gruppenangebote konnten wir nur Dank des Projektes „OWI-West-küste“ durchführen.

Persönliche Ansprache und persönliche Bindung sind sehr wichtig für das Case Managementverfahren. Nach unseren Erfahrungen kann man durch Hausbesuche ein besseres Vertrauensverhältnis zu den Familien und speziell auch zu den Jugendlichen aufbauen.

Integration scheitert oft an den Rahmenbedingungen (zu wenig Ausbildungs- und Arbeitsplätze).

Mit dem Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes und der damit einhergehenden Umsetzung des Integrationskurskonzeptes wird uns durch das BMFSFJ im geänderten Rahmenkonzept nun der Auftrag für die sozialpädagogische Begleitung der Jugendlichen KursteilnehmerInnen übertragen. Für die jungen Zugewanderten ist es zweifellos sinnvoll, wenn ihr Weg durch eine Stelle kontinuierlich begleitet und unterstützt wird, und die begleitenden Akteure zum Austausch miteinander verpflichtet sind. Ich wünsche mir allerdings, dass dies durch die Auftraggebenden und verantwortlichen Stellen entsprechend öffentlich ge-macht wird, so dass klar wird, welchen Auftrag die JMD´s haben. Wie z.B. das Schreiben des Bundeswirtschaftsministeriums an die Bundesagentur für Arbeit oder die „Gemeinsame Handlungsempfehlungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bezüglich der Schnittstellen und der Aufgabenverteilung zwischen dem JMD und den Leistungsträgern nach SGB II/III“.

Viktor Schmidt Meldorf, Januar 2007
Diplom Sozialpädagoge

[ adm, 03.02.2007 13:50 ]
[ ep, 19.02.2008 15:27 ]
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