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Diakonisches Werk Dithmarschen
Ev.-Luth. Kirchenkreis Dithmarschen

[MIGRATIONSSOZIALBERATUNG :: Jugendmigrationsdienst]

Jahresbericht 2011

Jugendmigrationsdienst Meldorf 2011


I. Ausgangssituation


1. Räume und Ausstattung


Im Kreis Dithmarschen ist der Jugendmigrationsdienst ein integraler Bestandteil der Migrationssozialberatungsstelle des Diakonischen Werkes Dithmarschen.
Die räumliche Situation hat sich seit 2010 nicht geändert. Im Jahre 2011 konnten wir eine neue Musikanlage, ein elektrisches Piano und Trommeln für den JMD in Meldorf besorgen.


2. Klientel

Seit 01.06.2002 greift im Kreis Dithmarschen das Konzept des Landes Schleswig-Holstein zur Integration aller Zuwanderer. Somit sind die Migrationssozialberatungsstelle (MSB) und der Jugendmigrationsdienst (JMD) zu einer Anlaufstelle für alle Migranten/Migrantinnen geworden. Nur die Asylsuchenden werden weiterhin von einem Mitarbeiter des Kreises Dithmarschen betreut.
Über die Zuweisung der Spätaussiedler und ihrer Familienangehörigen werden wir rechtzeitig von dem Vertriebenenamt des Kreises Dithmarschen informiert, sodass wir nach der Ankunft der Familien sofort Kontakt zu ihnen aufnehmen, hauptsächlich durch Hausbesuche. Um die genaue Adresse zu erhalten, nehmen wir auch Kontakt zu jeder Gemeinde auf. Die Arbeit unserer Beratungsstelle wird von den Kommunen und Gemeinden sehr geschätzt, was sich auch durch finanzielle Unterstützung ausdrückt. Auf diesem beschriebenen Weg wurde Kontakt zu allen Jugendlichen aufgenommen, die im Jahr 2011 nach Dithmarschen neu zugewiesen wurden. Leider kommen immer weniger Spätaussiedler nach Deutschland.
Der Zugang von Ausländern wird nach der Kooperationsvereinbarung mit der Ausländerbehörde mit einem Pendelbrief, in dem die Zustimmung des Migranten/der Migrantin vorgesehen ist, uns mitgeteilt. Außerdem kommen Migranten/-innen über Mundpropaganda und Flyer, die bei der Ausländerbehörde, der Jobcenter und den Integrationskursträgern ausliegen, zu uns. Sehr hilfreich ist hier der „Wegweiser für Migranten/-innen im Kreis Dithmar-schen“, der von uns mitentwickelt wurde, um den Zugewanderten die Integration zu erleichtern und eine verbesserte Vernetzung der beteiligten Institutionen zu erreichen.
Im Jahr 2011 sind 30 Jugendliche neu nach Deutschland gekommen. Es wurden dem Kreis Dithmarschen 4 Jugendliche Spätaussiedler zugewiesen, es kamen 8 jugendliche Ausländer im Wege der Familienzusammenführung, 14 Flüchtlinge und 4 aus EU Ländern.

3. Personalsituation der Migrationssozialberatungsstelle

1 Stelle für Erwachsene Migranten/-innen Anja Döhren
1 Stelle für Jugendliche Migranten/-innen (JMD) Viktor Schmidt
1 päd. Hilfskraft für Übersetzungen und Begleitungen Javad Saeidi
  Natalia Schulmeister
12 Ehrenamtliche  


II. Angaben zur Zahl und Struktur der Betreuten  (s. Sozialanalyse)


 

 

III. Schwerpunkte der JMD Arbeit


1. Allgemeine Entwicklung

Auch in unserem Kreis zeigt die Verteilung der Migrantenkinder auf die unterschiedlichen Schulformen ihre deutlich schlechteren Teilhabechancen im Vergleich zu hiesigen Jugendlichen. Daher halten wir die individuelle Begleitung der noch Schulpflichtigen (12-16 Jahre) und ihrer Eltern [Stärkung der Erziehungskompetenz] für auch sehr wichtig.
Im Bereich der beruflichen Bildung und Qualifizierung zeigt sich keine Verbesserung der Situation und der Chancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
Hinzu kommt noch der Entwurf der Berufsfachschulverordnung des Ministeriums für Bildung und Frauen des Landes Schleswig-Holstein. Nach dieser Verordnung sollen alle Bewerber der Berufsfachschule Englischkenntnisse auf der Niveaustufe A2 nachweisen.
Das heißt, dass berufschulpflichtige Migranten/-innen, die im Herkunftsland noch keinerlei Englischunterricht hatten und in Deutschland ihre Schulbildung an einer Berufsfachschule fortsetzen wollen, diese Voraussetzung gar nicht erfüllen können.
Das Hauptproblem sind die nicht ausreichenden Sprachkenntnisse. Nach dem Zuwanderungsgesetz haben alle Migranten/-innen mit dauerhaftem Aufenthaltsstatus Anspruch auf einen Integrationskurs. Wer sogar erfolgreich die B1-Prüfung besteht, hat keine ausreichenden Sprachkenntnisse um eine Ausbildung oder Arbeit zu finden.
Die Jugendlichen bleiben entweder arbeitslos oder sie erhalten Arbeit über Leihfirmen.
Es gab 2 berufsbezogene Sprachkurse im Rahmen des ESF-BAMF-Programms, an denen unter anderem auch jugendliche teilgenommen haben. Und selbst da will man sich nicht auf das Niveau B2 festlegen.
Das Jobcenter schickt die Jugendlichen zu Maßnahmen, denen sie sprachlich nicht gewachsen sind. Dieses hat zur Folge, dass langsam die Motivation schrumpft, sodass man dann gerecht von Verweigerungshaltung sprechen kann.


2. Darstellung der verschiedenen Schwerpunkte


2.1 Einzelfallbegleitung durch das Verfahren des Case Managements

Im Jahre 2011 wurden 39 Jugendliche (23 Mädchen und 16 Jungen) im Rahmen des Case Managements intensiv betreut.
Die individuelle Begleitung und die Gruppenarbeit in diesem Zusammenhang haben sich für die Jugendlichen sehr bewährt und führten bei ihnen zur Verbesserung der Integrationschancen (in sprachlicher, schulischer, beruflicher und sozialer Hinsicht).
 
Im Rahmen der Gruppenarbeit wurden im Laufe des Jahres Veranstaltungen zu folgenden Themen organisiert:
Berufsberatung und Arbeitsvermittlung über die Agentur für Arbeit
Weiterbildung und Fortbildung
Arbeitslosengeld II
Zuwanderungsgesetz
Einbürgerungstest
Familienzusammenführung


2.2 Vermittlungen in Angebote für zugewanderte junge Menschen im örtlichen Netzwerk

Da wir sofort nach der Einreise der Jugendlichen, die Ankunft mitgeteilt bekommen, werden die Jugendlichen auch gleich von uns begleitet und betreut. Alle neu zugewanderten Jugendlichen und auch Bestandsausländer haben Informationen über die Integrationskurse und Einstufungstests erhalten. Wir haben uns in allen beginnenden Integrationskursen vorgestellt. Kooperationsvereinbarungen mit den Sprachkursträgern sind abgeschlossen worden, sodass wir die sozialpädagogische Betreuung auch während des Besuchs der Kurse gewährleisten. Spezielle Integrationskurse für Jugendliche sind im Jahre 2011 im Kreis Dithmarschen nicht durchgeführt worden (keine ausreichende Teilnehmerzahl). Insgesamt haben 3 Integrationskurse stattgefunden. An diesen haben 18 jugendliche Migranten/-innen teilgenommen. An den Standorten der Sprachkurse befindet sich entweder die Beratungsstelle (Meldorf) oder es werden im gleichen Ort (Heide, Brunsbüttel) wöchentliche Sprechstunden angeboten. Bei Bedarf führen wir auch Hausbesuche durch.


IV. Stadtteilorientierung und interkulturelle Öffnung

Die Beratungsstelle des JMD, wie auch die Migrationssozialberatungsstelle ist in Meldorf angesiedelt. Die Stadt liegt im Zentrum des Kreises und ist von allen Orten auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen.
In Heide und Brunsbüttel, wo besonders viele Migranten/-innen leben, wird jeweils einmal in der Woche eine Sprechstunde durchgeführt.
In Brunsbüttel-Süd, wo besonders viele Migranten/-innen und sozial schwache Familien leben, besteht der vom JMD initiierte Mädchen- und Jungentreff weiterhin. Die Beratungsstelle ist bemüht, den Prozess der interkulturellen Öffnung der Angebote aller relevanten Dienste und Einrichtungen der sozialen Handlungsfelder weiter zu entwickeln.
Es besteht gute Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, einigen Polizeidienststellen, Familien- und Suchtberatungsstellen, Gesundheitsamt, Beratungsstellen für schwangere Frauen, Kompetenzagentur Dithmarschen, Berufsbildungszentrum Dithmarschen usw.


V. Kooperationspartner/Netzwerkarbeit

Es wird eng mit den Mitarbeitern der Migrationssozialberatungsstelle des Diakonischen Werkes Dithmarschen zusammengearbeitet. So wird auch Urlaubs- und Krankheitsvertretung gewährleistet. Frau Schulmeister ist bei uns über eine AGH-Maßnahme bis zum 31.12.2011 tätig gewesen. Herr Saeidi arbeitet seit 01.02.2011 über eine AGH-Maßnahme bei uns. Er wird zurzeit für ein Studium in Hamburg vorbereitet.
Ebenfalls werden gemeinsame Teamsitzungen durchgeführt. Die Öffnungszeiten sind verlässlich: montags bis freitags von 8.00 bis 12.30 Uhr und mittwochs von 13.30 bis 16.00 Uhr, sonst nach Vereinbarung.
Es wird mit den anderen Beratungsstellen des Diakonischen Werkes Dithmarschen eng zusammengearbeitet (z.B. Suchtberatung, Familienberatungsstelle, Schuldnerberatung u.a.).

Es ist uns gelungen mit dem Kreis und anderen Kooperationspartnern ein Integrationskonzept für den Kreis zu entwickeln. Es soll ein kreisweites Netzwerk der Integration im nächsten Jahr entstehen. Der kommunalpräventive Rat der Stadt Brunsbüttel ist ein Netzwerk der Integration für die Stadt. Hier arbeiten wir aktiv mit.
In der Stadt Heide hat sich inzwischen das Lokale Bündnis für Familie als Netzwerk der Integration etabliert.
Im Rahmen der Migrationssozialberatung arbeiten wir eng mit den Sprachkursträgern vor Ort zusammen.
Es gibt seit einigen Jahren eine Kooperationsvereinbarung mit der Kompetenzagentur Dithmarschen.
Es wurde die mit dem Jobcenter Dithmarschen im Jahre 2005 abgeschlossene Kooperationsvereinbarung überarbeitet und den neuen Anforderungen angepasst. In der Vereinbarung verpflichtet sich das Jobcenter mit ihren Integrationskoordinatoren die Mitarbeiter für den Umgang mit Migranten/-innen zu sensibilisieren und zu qualifizieren, sowie Integrationsmaßnahmen wie Sprachkurse und Praktika zu fördern.
Um die Zusammenarbeit besser zu koordinieren, wurde ein Arbeitskreis gegründet, der ein Verfahren zur Verbesserung der Eingliederungschancen von Migranten/-innen geplant hat.
Die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter und den Mitarbeitern ist im Einzelfall durchaus erfolgreich.
Auch mit der Ausländerbehörde wurde im Jahre 2011 eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, in der die Zusammenarbeit mit der ABH geregelt ist. Es gibt einen Pendelbrief zwischen JMD und ABH, wo Daten mit der Zustimmung des Migranten weiter geleitet werden.
Die weiter stattfindende Sprechstunde in Brunsbüttel wird in den Räumlichkeiten der VHS angeboten.


VI. Öffentlichkeitsarbeit

Es wurden Dienste und Einrichtungen auf die Notwendigkeit interkultureller Öffnung aufmerksam gemacht. Über unseren Jahresbericht und unsere Teilnahme an kommunalpräventiven Räten und Sitzungen des Lokalen Bündnisses für Familie wurden die Gemeinden auf die Lebenssituation junger Migranten/innen aufmerksam gemacht. Der JMD hat sich mit seiner Lobbyarbeit bei politischen Entscheidungen zur Verbesserung der Lebenssituation der Migranten/-innen eingesetzt.


VII. Stellungnahme zum Gender Mainstream in unserer Arbeit

Die Sozialanalyse zeigt, dass das Angebot des JMD von weiblichen und männlichen Jugendlichen fast in gleichermaßen in Anspruch genommen wird: 104 weibliche und 94 männliche Betreute.
Die Gruppenangebote werden öfter von weiblichen Jugendlichen angenommen - 162 und 120 bei männlichen.
Wir bemühen uns, in allen Aktivitäten, d.h. für uns besonders Einzel- und Familienberatungen, um eine Berücksichtigung der Geschlechteridentitäten.


VIII. Zusammenfassung und Ausblick

Wie aus der JMD-Statistik hervorgeht, arbeiten wir mit neu zugewanderten Jugendlichen, im vergangenen Jahr waren 61,6% weniger als 2 Jahre in Deutschland, aber Jugendliche, die schon länger in Deutschland leben, nehmen die Beratungsstelle auch in Anspruch. Für die Gruppenangebote gibt es keine zusätzlichen Mittel und das ist sehr schade, da die Gruppenangebote das Case Management unterstützen und die individuelle Zielerreichung fördern. Persönliche Ansprache und persönliche Bindung sind sehr wichtig für das Case Managementverfahren. Nach unseren Erfahrungen kann man durch Hausbesuche ein besseres Vertrauensverhältnis zu den Familien und speziell auch zu den Jugendlichen aufbauen.
Integration scheitert oft an den Rahmenbedingungen (zu wenig Ausbildungs- und Arbeitsplätze).
Mit dem Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes und der damit einhergehenden Umsetzung des Integrationskurskonzeptes wird uns durch das BMFSFJ im geänderten Rahmenkonzept nun der Auftrag für die sozialpädagogische Begleitung der Jugendlichen Kursteilnehmer/-innen übertragen. Für die jungen Zugewanderten ist es zweifellos sinnvoll, wenn ihr Weg durch eine Stelle kontinuierlich begleitet und unterstützt wird, und die begleitenden Akteure zum Austausch miteinander verpflichtet sind. Daher finden wir unseren Arbeitskreis Integrationskurse sehr hilfreich. Wir hoffen, dass das Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen, das im nächsten Jahr in Kraft tritt, auch tatsächlich für eine Verbesserung der Anerkennung und auch zur Nachqualifizierung führen wird.

Meldorf, im Februar 2012

Viktor Schmidt
Diplom Sozialpädagoge

[ ep, 27.02.2012 09:18 ]
[ ep, 27.02.2012 11:33 ]
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