06/05/2026 0 Kommentare
Eine Suchtgeschichte, die Hoffnung macht
Eine Suchtgeschichte, die Hoffnung macht
# Hoffnungsgeschichten

Eine Suchtgeschichte, die Hoffnung macht
Seit Anfang 2023 ist es meine Aufgabe beim Diakonischen Werk (DW), suchtpräventiv an Schulen und Einrichtungen zu arbeiten. Hierbei werden alle Arten von Süchten thematisiert. Kinder und Jugendliche kommen immer früher mit Konsummitteln in Berührung, da ist auch schon in jungen Jahren eine Wissensvermittlung und eine gewisse Selbstreflexion umso wichtiger. Es werden in der Suchtprävention verschiedenste Programme angeboten, in denen die Teilnehmer*innen die unterschiedlichsten Stationen durchlaufen. Diese werden von mir moderiert und Inhalte mit den persönlichen Lebenswahrheiten der Schüler*innen abgeglichen.
Seit geraumer Zeit bieten wir auch eine andere Art der Prävention an, die in Form eines Interviews mit einem Betroffenen durchgeführt wird. Bastian Grütt hat sich als ehrenamtlicher Mitarbeiter des DW Dithmarschen dazu bereit erklärt, mich bei diesem Projekt zu unterstützen. Schulsozialarbeiter bzw. pädagogische Mitarbeiter übernehmen hierbei nach Absprache die Vor- und Nachbereitung der Veranstaltung. Unser Teil besteht einerseits aus einem Interview, in dem Bastian auf meine lebens- und suchtrelevanten Fragen eingeht. Im zweiten Teil können die Teilnehmer*innen ihre Fragen stellen, die sie im Vorfeld schon erarbeitet haben. Dieser gegenseitige Austausch ist oft geprägt von persönlichen Erfahrungen der Teilnehmer*innen, was diesen Teil so wertvoll macht.
In einem kurzen Interview möchte ich Bastian vorstellen, wobei es hier auch um seine Motivation für diese ehrenamtliche Tätigkeit gehen soll:
Knut: Hallo Bastian, bitte stelle dich doch einmal kurz vor.
Bastian: Hallo, ich bin Bastian, 48 Jahre und arbeite im Werkzeughandel. Ich betreibe neben meiner Arbeit ein Kleinunternehmen in der Seilklettertechnik. In meiner Freizeit unternehme ich gerne etwas mit meiner Familie, ob an den Strand oder Städtetouren. Auf dem Fahrrad trifft man mich genauso wie auf Konzerten meiner Lieblingsbands.
Knut: Du bist ja auch ehrenamtlicher Gruppenbegleiter einer Suchtselbsthilfegruppe. Was ist dein persönlicher Antrieb für diese Arbeit?
Bastian: Ich interessiere mich für Menschen und ihre Geschichten, in der Suchtselbsthilfe treffe ich Menschen, mit denen ich viele Erfahrungen teile. Wir unterstützen uns gegenseitig, tauschen uns aus und bleiben achtsam mit unserer Suchterkrankung.
Knut: Was ist deine persönliche Motivation, das Diakonische Werk bei diesem Projekt zu unterstützen?
Bastian: Den Grundstein für meine Suchterkrankung habe ich in jungen Jahren gelegt und ich hoffe durch meine Geschichte junge Menschen zu motivieren, sich zu reflektieren. Ich möchte Ansprechpartner sein, ob bei Fragen, zum Suchtverhalten oder im Umgang mit Betroffenen.
Knut: Wie erlebst Du die jungen Teilnehmer*innen auf unseren Veranstaltungen, und welche Denkanstöße möchtest Du Ihnen mitgeben?
Bastian: Die Teilnehmer an den Veranstaltungen empfinde ich als interessiert und neugierig. Ich empfinde es auch immer wieder als eine Lösung über ein Thema zu sprechen, welches in unserer Gesellschaft gerne tabuisiert wird. Es werden Fragen gestellt, die sich die Jugendlichen vielleicht sonst nicht trauen oder nicht wissen, wie sie in der Familie oder im Freundeskreis mit dem Thema umgehen sollen.
Knut: Was wäre dein Wunsch an die Politik bzw. an die Gesellschaft bezüglich des Umgangs mit Suchtmitteln?
Bastian: Mein Wunsch wäre ein offener Umgang mit Suchterkrankungen und eine höhere Sensibilität im Umgang mit Betroffenen. Immer noch werden Betroffene stigmatisiert. Meiner Meinung nach unternimmt die Politik zu wenig, um unsere Gesellschaft vor der Alkohollobby zu schützen. Statt Grenzen zu setzen, hat die Industrie freie Bahn und schädigt damit nicht nur Suchterkrankte, sondern die gesamte Gesellschaft.
Knut: Bastian, vielen Dank für die offenen Worte.
Ich möchte hiermit auch nochmal die Gelegenheit nutzen, ein großes Dankeschön an Bastian zu sagen. Die Arbeit mit dir macht unheimlich Spaß und die Reaktion der Teilnehmer*innen in den Veranstaltungen bestätigen die Sinnhaftigkeit deiner authentischen Erfahrungsberichte. Es soll nie um Abschreckung gehen, wichtig ist die eigene Selbstwahrnehmung, sich so zu lieben, wie man ist und eigene gute Entscheidungen im Leben zu treffen. Eine in dem Alter sicherlich schwierige Aufgabe, doch wir können vielleicht einen Anstoß geben.
Knut Thomsen
Suchtpräventionskraft
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