30/06/2026 0 Kommentare
Verunsicherung und hoher Beratungsbedarf
Verunsicherung und hoher Beratungsbedarf
# Hoffnungsgeschichten

Verunsicherung und hoher Beratungsbedarf
Die Familienberatung fördert die Kompetenzen von Eltern und stärkt Familien in der Bewältigung akuter oder drohender Probleme, die sich in der Erziehungs-, Beziehungs- und Familienarbeit ergeben. Der Spagat für Eltern, eine angemessene Vereinbarkeit von Familie, Erwerbsarbeit, Partnerschaft und Freizeit herzustellen, ist anspruchsvoll. Eltern haben zudem hohe Ansprüche an die Erziehung ihrer Kinder. Im Umgang mit der Digitalisierung kommen zusätzliche Herausforderungen auf Familien zu. Eltern sollen ihre Kinder nicht nur auf die Kompetenzen im Umgang mit den digitalen Medien vorbereiten, sondern tragen auch die Verantwortung für das Nutzungsverhalten der Kinder. Das trägt zu einer Verunsicherung von Familien und einem hohen Beratungsbedarf bei. In der Familienberatungsstelle führen die komplexen Problemlagen der Kinder, Jugendlichen und Eltern zu einer längeren Beratungsdauer und höheren Intensität der Betreuung.
Die Familien kommen mit vielfältigen Anfragen, Sorgen und Krisen in die Beratung. An erster Stelle sind die familiären Konflikte wie Trennung und Scheidung, Partnerkonflikte sowie Sorge- und Umgangsstreitigkeiten zu nennen, die die Kinder und Jugendlichen belasten. An zweiter Stelle stehen die Entwicklungsauffälligkeiten und seelische Probleme der Kinder und Jugendlichen, bei denen sich die Angaben zu den Ängsten, mangelndem Selbstwertgefühl, Depression, Entwicklungsauffälligkeiten und selbstverletzendem Verhalten häufen. An dritter Stelle kommen Eltern mit eingeschränkter Erziehungskompetenz oder Unsicherheit mit der Erziehung in die Familienberatungsstelle. An vierter Stelle werden als Anmeldegrund die schulischen wie beruflichen Probleme der Kinder und Jugendlichen aufgeführt. Hier werden vor allem Schwierigkeiten mit den Leistungsanforderungen, schulvermeidendes Verhalten, Konzentrationsprobleme und Mobbing genannt. Bei den Belastungen der Kinder und Jugendlichen durch Problemlagen der Eltern sind die psychischen Erkrankungen, eine Suchtproblematik der Eltern, die physische Erkrankung eines Elternteils sowie das Thema Tod und Trauer wegen Verlust eines Familienmitgliedes am häufigsten.
Es bildet sich ab, dass die Mittelschichtsorientierung der Angebote stark abgenommen hat und alle sozialen Schichten erreicht werden. Mit Blick auf die soziale Struktur der Klient:innen kann nicht mehr von einer Mittelschichtsorientierung der Familienberatungsangebote gesprochen werden. Das gilt insbesondere auch für Familien mit geringen Ressourcen und/oder aus benachteiligten Lebenslagen. Sie können von den Angeboten der Familienberatung besonders stark profitieren.
Durch die langsame Steigerung des Väteranteils in den Angeboten ist gesamtgesellschaftlich ein Trend zu aktiver Vaterschaft zu beobachten, der beispielsweise in der wachsenden Inanspruchnahme von Elternzeit und Elterngeld durch Väter zum Ausdruck kommt. Wenn sich auch vermehrt Väter melden und die Beratungsangebote in Anspruch nehmen, nutzen jedoch in Dithmarschen noch immer mehrheitlich Mütter die Angebote.
Anke Schumacher - Leitung der Familienberatungsstelle

Einblick aus der Arbeit mit einem 17-jährigem Mädchen.
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