Wie ein Kaleidoskop

Wie ein Kaleidoskop

Wie ein Kaleidoskop

# Hoffnungsgeschichten

Wie ein Kaleidoskop

Ein Kaleidoskop besteht aus vielen einzelnen Teilen: kleine Splitter aus Glas, jedes für sich unscheinbar, manche scharfkantig, manche bunt, manche fast durchsichtig. Erst wenn Licht hindurchfällt und sie sich zueinander ordnen, entsteht etwas Ganzes – ein Muster von unerwarteter Schönheit, das ohne jedes einzelne Teilchen so nicht möglich wäre.

So haben wir unseren Teamtag auf dem Jesusboot erlebt.

Wir kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: der Präventionsarbeit an Schulen und Einrichtungen, der Suchtberatung, der Schuldnerberatung, der Wohnungsnotfallhilfe, der Kurenberatung und der Sozialberatung. Lange Zeit haben wir eher nebeneinander gearbeitet – einzeln verteilt, jede und jeder mit dem eigenen Aufgabenfeld, den eigenen Klientinnen und Klienten, den eigenen Herausforderungen. Wie einzelne Glassplitter, die zwar in derselben Trommel liegen, aber noch kein gemeinsames Bild ergeben.

Seit 2019 ist unser Team nach und nach zu dem zusammengewachsen, was es heute ist – Stück für Stück, so wie sich auch ein Kaleidoskopbild erst durch viele kleine Drehungen zu seiner endgültigen Form findet. Auf dem Wasser, mit etwas Abstand vom Alltag, wurde uns noch einmal ganz neu bewusst, was daraus geworden ist: ein Team. Kein Nebeneinander mehr, sondern ein Miteinander, das trägt.

Und das haben wir nicht nur besprochen, sondern ganz handfest erlebt. Auf dem Jesusboot mussten alle mit anpacken: Segel setzen, Boot steuern, Leinen halten. Keiner konnte das allein. Wer das Ruder hielt, war auf die angewiesen, die das Segel setzten. Wer die Leinen hielt, musste sich auf die Steuernden verlassen können. Jede Aufgabe für sich war klein – aber ohne sie wäre das Boot nicht vorangekommen.

Genauso ist es in unserer Arbeit. Auch wir halten Leinen, setzen Segel, steuern – jede und jeder an einer anderen Stelle, aber alle auf demselben Boot, mit demselben Ziel: Menschen sicher durch stürmische Zeiten zu bringen.

Und dieses Miteinander zeigt sich nicht nur in schönen Worten, sondern ganz praktisch in unserer Arbeit. Wenn die Wohnungslosenhilfe merkt, dass ein Klient Unterstützung bei seiner Sucht braucht, ist der Weg zur Suchtberatung kurz. Wenn bei der Wohnungssuche soziale Fragen auftauchen, ist die Sozialberatung nicht weit. Wir reichen unsere Klientinnen und Klienten nicht ab – wir reichen sie weiter, Hand in Hand, immer im Blick, dass am Ende ein Mensch steht, dem geholfen werden soll, nicht nur ein Fall in unserem jeweiligen Fachbereich.

Genau das macht für uns den Unterschied. Jeder Bereich für sich könnte nur einen Ausschnitt sehen. Zusammen ergeben unsere unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen ein Bild, das größer ist als die Summe seiner Teile – so wie im Kaleidoskop.

Diese Arbeit ist oft aufreibend. Wir begegnen Not, Scheitern, Rückschlägen, manchmal auch Ohnmacht. Umso mehr haben wir jetzt gespürt, wie viel Halt wir uns gegenseitig geben. Man muss die Last nicht allein tragen, wenn man weiß: Da sind andere, die verstehen, die mittragen, die im richtigen Moment einspringen.

Nicht ohne Grund heißt das Boot, auf dem wir unterwegs waren, das Jesusboot. Es erinnert an eine Geschichte, die viele von uns kennen: Die Jünger sitzen im Boot, der Sturm zieht auf, die Wellen schlagen über, und mittendrin ist einer, der Ruhe gibt und trägt. Auch wir erleben in unserer Arbeit immer wieder Stürme – Not, Scheitern, Ohnmacht. Und doch dürfen wir als diakonisches Team glauben, dass wir nicht nur auf unsere eigene Kraft angewiesen sind. Da ist noch jemand mit im Boot, der größer ist als wir und der uns durch die Stürme hindurch immer wieder Ufer finden lässt.

Wir glauben, dass genau darin unsere Hoffnung liegt – eine Hoffnung, die größer ist als wir selbst. So wie ein Kaleidoskop erst im Licht sein volles Bild zeigt, entfaltet sich auch unsere Arbeit erst im Zusammenspiel: viele Hände an Segel und Leinen, viele Bereiche, die sich ergänzen – und darüber ein Licht, das alles zu einem Ganzen verbindet und trägt, auch wenn wir es selbst manchmal kaum steuern können.

Seit 2019 gewachsen, jetzt auf dem Wasser neu gespürt: Wir sind ein Team, das gemeinsam die Segel setzt – im Vertrauen darauf, dass wir nicht allein rudern.

 Yasmin Ihns, Beraterin

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